Gerade noch ausreichend bei Betreuungsplätzen
IHK-Grundschulbefragung legt Schwachstellen bloß
Immer mehr Eltern müssen oder möchten ihre Berufstätigkeit mit der Betreuung ihrer Kinder vereinbaren. Das ist die eine, die private Seite. Auf der anderen stellen immer mehr Betriebe fest, dass der Fachkräftemangel bei ihnen angekommen ist. Angesichts dieser Ausgangslage sollten Familien und Unternehmen auf eine angemessene Nachmittagsbetreuung der Kinder an Grundschulen drängen. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert, neue Lösungswege zu finden. Vor diesem Hintergrund führte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern im ersten Halbjahr 2011 eine Befragung der Grundschulen durch. 60 von insgesamt 90 Grundschulen im Main-Kinzig-Kreis antworteten der IHK.
„Bei der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen ist in den letzten Jahren viel passiert. Doch nach wie vor geraten zu viele Eltern in Schwierigkeiten, wenn ihre Kinder von den Kindergärten und Kindertagesstätten in die Grundschulen wechseln. Nicht selten sind vor allem die Mütter gezwungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren“, kommentiert Martina Winkelmann die Ausgangslage. Winkelmann verantwortet in der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern unter anderem das Aufgabenfeld Beruf und Familie.
Laut den von der IHK vorgelegten Zahlen bieten immerhin 86 Prozent der Grundschulen im Main-Kinzig-Kreis ihren Schülern eine Betreuung nach dem Unterricht an. Aber die vorhandenen Plätze decken den Bedarf nicht ab. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Im Durchschnitt besucht nur ein gutes Viertel aller Grundschulkinder die Nachmittagsbetreuung“, weiß Winkelmann. Wie die Befragung aufdeckt, fragen 54 Prozent der Eltern mehr Betreuungsplätze nach. Längere Betreuungszeiten am Nachmittag werden von einem guten Drittel der Eltern gewünscht. Das ist verständlich, schließt doch laut IHK-Umfrage ein Drittel der Grundschulen bereits zwischen 13.30 und 15.00 Uhr. Damit endet dann auch die Betreuungsmöglichkeit. Wie die IHK weiter feststellt, besteht nach 17.00 Uhr in keiner der Grundschulen im Main-Kinzig-Kreis eine Betreuungsmöglichkeit mehr. Wie gehen die Grundschulen mit den Anliegen der Eltern nach einem Ausbau der Kinderbetreuung um? Obwohl Wunsch und Wirklichkeit derart weit auseinanderklaffen und dringender Anpassungsbedarf besteht, planen zwei Drittel der Grundschulen keinen weiteren Ausbau ihrer Betreuung.
Ebenfalls eine besondere Herausforderung für berufstätige Eltern von Grundschulkindern sind die rund zwölf Wochen Schulferien im Jahr. Lediglich fünf der 60 antwortenden Grundschulen im Landkreis sehen eine Betreuung der Kinder während der gesamten Ferienzeit vor. Ihnen stehen 13 Schulen gegenüber, die keinerlei Betreuungsmöglichkeit in den Ferien anbieten. „Auch an dieser Stelle besteht dringender Handlungsbedarf. Wer heute die besseren Konzepte zur Kinderbetreuung vorweisen kann, wird morgen der bessere Standort sein. Dorthin werden sich Familien mit Kindern wenden. Auch Elternhäuser werden immer mobiler“, warnt Winkelmann.
Am Grundschulcheck der deutschen IHKs nahmen 5.000 Schulen in ganz Deutschland teil. Im Bundesvergleich zeigt sich, dass der ungedeckte Bedarf an Betreuungsplätzen im Main-Kinzig-Kreis den bundesweiten Wert deutlich übersteigt. Wo es aber eine Nachmittagsbetreuung im Landkreis gibt, liegt deren Qualität oberhalb des nationalen Durchschnitts. Mit qualifizierten Kräften, dem Angebot einer regelmäßigen Hausaufgabenbetreuung und der Versorgung der Kinder mit einem warmen Mittagessen weiß die Region durchaus zu punkten.
„Die Ergebnisse sind insgesamt positiv, aber es gibt noch viel zu tun“, fasst Winkelmann zusammen. Nachahmenswert sind in ihren Augen die Betreuungsangebote von Unternehmen während der Ferienzeiten für die Kinder der Mitarbeiter. Ein denkbarer Lösungsansatz wären laut Winkelmann unbürokratische Kooperationen von kleineren Unternehmen, entweder mit anderen Unternehmen oder mit den Kommunen. Die IHK biete ihren Mitgliedern hierzu eine Plattform, um die Situation zu erörtern und Lösungen zu suchen. Auch das lokale „Bündnis für Familien“ in Hanau arbeite bereits an neuen Ideen. Doch das alle entbinde die Politik nicht von der Verantwortung, eine ausreichende Kinderbetreuung bereit zu stellen.
