Hauptgewinn für die IHK geht in Ruhestand

Bundesverdienstkreuz für scheidenden Hauptgeschäftsführer
Hartwig Rohde

Die Festredner waren sich am 22. Mai einig: Mit Hartwig Rohde, seit 1992 Hauptgeschäftsführer der IHK, hat die Besetzungskommission seinerzeit die richtige Wahl getroffen.

Justizminister Jörg-Uwe Hahn, zugleich stellvertretender Ministerpräsident des Landes Hessen, dankte seinem persönlichen Freund. Hahn bekannte, dass er seit den gemeinsamen Tagen bei den Wirtschaftsjunioren in Friedberg Hartwig Rohde als Netzwerker sehr schätzt. Wichtig für ihn als Politiker seien auch die Hinweise des Hanauer Hauptgeschäftsführers zu den Ansichten und Befindlichkeiten der Unternehmer. So habe Rohde mit seinen Beratungstipps maßgeblich mit dafür gesorgt, dass die florierende Metropolregion FrankfurtRheinMain und nicht anders heiße. Die Stadt „Frankfurt“ sei weltweit bekannt, das Umland nicht. Diese Binsenweisheit in politische Fakten zu gießen, sei in der polyzentrischen Region nicht leicht gewesen. Hahn dankte, auch im Namen des gesamten Kabinetts in Wiesbaden, Rohde für die geleistete Arbeit im Main-Kinzig-Kreis und für die Rhein-Main-Region. Unter stehendem Applaus der fast 400 geladenen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltungen überreichte der Minister seinem Freund Hartwig Rohde das Bundesverdienstkreuz. Erst wenige Minuten vor Beginn des Festakts hatte das Bundespräsidialamt die Erlaubnis zur Vergabe erteilt. „Eigentlich hätte ich mir am Morgen einen schwarzen Anzug zum Festakt anziehen müssen“, schmunzelte Hahn angesichts der gelungenen Überraschung.

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky erinnerte daran, dass mit Hartwig Rohde „jemand geht, der den Motor Stadt in Gang“ gehalten hat. Kaminsky verwies unter anderem an den von der IHK ins Leben gerufenen Förderkreis Fachhochschule Hanau, dessen Ziel mit der Brüder-Grimm-Berufsakademie an der Zeichenakademie nun in greifbare Nähe gerückt sei. Wichtig für die städtische Entwicklung seien auch die Gründung des Technologie- und Gründerzentrums gewesen sowie die vielfältigen Aktivitäten der IHK im Zuge der Konversion militärischer Flächen.

Landrat Pipa skizzierte in seiner vorgetragenen Rede die Entwicklung der Region in den vergangenen 20 Jahren vom nationalen Atomdorf mit miserablem Image hin zum blühenden Gemeinwesen mit starkem Mittelstand. Pipa brachte die Erfolge der Arbeit Rohdes auf den Punkt: „Man muss Veränderungen auch wagen“. Der Landrat dankte ferner für die gute und kollegiale Zusammenarbeit, wie zuletzt geschehen beim Breitbandausbau im Main-Kinzig-Kreis. Hochachtung zollte Pipa nicht zuletzt dem strategischen Weitblick Rohdes.

Seinen Rückblick auf die gemeinsame Arbeit in der IHK untermalte IHK-Ehrenpräsident Dr. Walter Ebbinghaus mit einem Bild, welches zum passionierten Jäger Hartwig Rohde passt: Rohde habe sich mehr um die Hege gekümmert als ums Schießen. Die bewährte Erkenntnis „never change a winning team“ müsse immer wieder durch „no risk, no fun“ neu justiert werden, bekannte Ebbinghaus im Hinblick auf den Personalwechsel an der IHK-Spitze.

Auch IHK-Präsident Dr. Norbert Reichhold dankte dem scheidenden Hauptgeschäftsführer für die geleistete Arbeit, für 20 Jahre Einsatz, für 65 Sitzungen der Vollversammlung und 65 Sitzungen des Präsidiums. Hartwig Rohde habe sich als Hauptgewinn für die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern entpuppt. Die IHK habe dank der Tatkraft und dem Geschick Rohdes „der Wirtschaft im Main-Kinzig-Kreis und darüber hinaus eine vielfach gehörte Stimme“ geben können. In seiner Laudatio skizzierte Reichhold die Veränderungen am Wirtschaftsstandort und in der IHK-Arbeit. Es sei unter anderem zu insgesamt neun Beitragssenkungen gekommen. „Die Ergebnisse der Kundenzufriedenheitsanalysen von TNS EMNID und anderen Institutionen stellten der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern im Übrigen ein hervorragendes Zeugnis aus“, berichtete Reichhold voller Hochachtung. Auf vielen Feldern, nicht nur bei der Konversion der ehemaligen Militärflächen und in der Energiepolitik habe Hartwig Rohde „beharrlich und mit Augenmaß die Interessen der regionalen Wirtschaft gebündelt, vertreten und, wo möglich, auch durchgesetzt. Sie haben der Wirtschaft und der IHK ein Gesicht gegeben“, dankte Reichhold.

In seinen Abschlussworten dankte der scheidende Hauptgeschäftsführer für das „Ernst genommen werden durch die Politik“. Die zahlreichen Worte des Lobes kommentierte Rohde mit den Worten: „zu viel Weihrauch schwärzt die Kanzel“. In der IHK-Geschichte werde nun mit Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde ein neues Kapitel aufgeschlagen.